Programme passen nicht

Gleich zwei aktuelle Programme der Deutschen Bahn hätten Verbesserungen für die Viersener Bahnhöfe bringen können, doch keine der drei DB-Stationen auf dem Stadtgebiet steht auf der Teilnehmerliste – so wird es derzeit in Veröffentlichungen und, natürlich, in den sogenannten „Sozialen“ Netzen, also vor allem auf Facebook, beklagt. Was hat es wirklich auf sich mit der „Modernisierungsoffensive“ und dem „Anti-Graffiti-Programm“?

MODERNISIERUNGSOFFENSIVE

Die Modernisierungsoffensive, kurz MOF, ist ein gemeinsames Programm des Landes und der Deutschen Bahn, das für unseren Bereich durch den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) abgewickelt wird. Das Programm heißt ausdrücklich „Modernisierungs“- und nicht „Sanierungs“-Offensive, weil seine Schwerpunkte darin liegen stufenfreie Zugänge (meist Aufzüge) und Blindenleitsysteme in Bahnstationen einzubauen, Bahnsteigkanten auf das Niveau der Triebwagen anzuheben und die Fahrgastinformationssysteme zu erneuern. Berücksichtigt werden können Stationen mit einer bestimmten Mindestgröße, die auf dem Viersener Stadtgebiet von den Bahnhöfen in Alt-Viersen und Dülken erreicht wird. Boisheim wird hier nicht erfasst.

Das jetzt angelaufene Programm, in dem unter anderem der Bahnhof in Kaldenkirchen berücksichtigt wird, trägt den Titel „MOF 3“. Die „3“ bedeutet dabei, dass es die dritte Auflage des Programms ist. Und hier liegt auch der Grund dafür verborgen, warum Alt-Viersen und Dülken nicht Teil der aktuellen Ausgabe der Modernisierungsoffensive sind. Alt-Viersen war im Jahr 2008 bei MOF1 dabei, Dülken 2015 bei MOF 2. Wer mag, kann das auch anhand der MOF-Merkmale nachprüfen. Kurzum: Dass Alt-Viersen und Dülken in MOF3 nicht berücksichtigt werden, liegt nicht daran, dass irgendwer etwas verschlafen hat, sondern daran, dass beide Stationen bereits „ge-mof-t“ sind.

ANTI-GRAFFITI-PROGRAMM

Bei diesem Programm fördert der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) die einmalige Beseitigung von Schmierereien und das unmittelbar nachfolgende Aufbringen eines abweisenden Schutzanstrichs durch Kommunen. Im Gegenzug verpflichtet sich die geförderte Kommune, über mindestens fünf Jahre jede Farbschmiererei innerhalb von längstens einer Woche zu entfernen. Bedingung für die Förderung: Die zu reinigenden Flächen müssen sich a) im Zugangsbereich einer Bahnstation und b) im Eigentum der Stadt befinden.

Typischerweise sind das Bahnunterführungen, die sowohl Zugang zum Bahnsteig als auch Fußweg innerhalb der Stadt sind. Auf Viersener Stadtgebiet könnte man da an die Fußgängertunnel in Alt-Viersen und Dülken denken. Beide Tunnel stehen jedoch im Eigentum der Deutschen Bahn. Da die Stadt nicht Eigentümer ist, kann sie entsprechend keine Fördermittel für das Entfernen von Schmierereien beantragen.

FAZIT

Weder die Modernisierungsoffensive MOF3 noch das Anti-Graffiti-Programm boten und bieten Möglichkeiten für die Stadt Viersen. Insbesondere für die Bahnhofstunnel in Alt-Viersen („Tropfsteinhöhle“) und Dülken sowie für den Bereich der Station Boisheim muss weiter im Dialog mit der DB um Verbesserungen gerungen werden.

nach oben