Ausstellungseröffnung: Belichtungen

Fotografische Positionen aus Deutschland

Viktoria Binschtok, Yvon Chabrowski und Nicolás Rupcich, Sven Johne, Barbara Probst, Julian Röder, Adrian Sauer

Die Ausstellung "Belichtungen" zeigt sechs Künstler und Künstlerinnen, die die Debatten um die Fotografie in der Kunst gegenwärtig stark beeinflussen. Ihre Bedeutung ist dabei nicht auf einen speziellen Stil zurückzuführen, sondern vor allem auf ihre Haltung zu den digitalen Bilderwelten. Die Digitalisierung hat unser Verständnis von Fotografie grundlegend verändert. Wir sind von Bilderfluten umgeben, beginnen mehr und mehr mit Bildern zu kommunizieren, die die Sprache zu ersetzen beginnen. Die Künstler reagieren mit ihren Werken auf diesen Umstand und provozieren mit ihren Werken andere Sehweisen auf existierende Bildwelten.

Adrian Sauer (geb. 1976 in Berlin, lebt und arbeitet in Leipzig) arbeitet dabei konzeptionell: Mit seinen "Wolkenbildern" greift er ein romantisches und bis heute beliebtes Motiv sowohl der Malerei als auch der Fotografie auf – um es in seiner Idealität durch einen trickreichen Gebrauch der digitalen Möglichkeiten zugleich zu bestätigen wie zu entzaubern. Hinzu kommen Sauers seit 2015 entstehende Spiegelskulpturen. Die Spiegel nehmen die Bilder an der Wand auf: Ein Spiel um Betrachterstandpunkt, Perspektiven auf das Bild und seine Spiegelungen entsteht.

Wie auch Sauer arbeitet Barbara Probst (geb. 1964 in München, lebt und arbeitet in New York) mit Bildpaaren. "Die Wirklichkeit" erscheint hier von vornherein mehrdeutig, denn mit ihren mehrteiligen Tableaus entzaubert sie die Idee vom "entscheidenden Augenblick", von dem in der Fotografie so oft die Rede ist, um ein "gutes Bild" zu machen. Stattdessen wirft sie auf eine Situation viele Perspektiven, die alle gleich stimmig / unstimmig sind.

Viktoria Binschtok (geb. 1972 in Moskau, lebt und arbeitet in Berlin) verlässt sich zunächst auf automatische Prozesse: Sie schickt ein Bild in den digitalen Äther und lässt Suchmaschinen für sich arbeiten, die das globale Bilduniversum nach ähnlichen visuellen Erscheinungen durchsuchen. Dabei stehen Form und Farbe im Vordergrund. Es entsteht ein Mix von einander formal ähnlichen, aber inhaltlich nicht aufeinander bezogenen Bildern.

Diesen mehr analytischen Verfahren stehen im Obergeschoss der Galerie Arbeiten gegenüber, in denen die "Politik der Bilder" dominiert. In "Faces" zeichnen Yvon Chabrowski (geb. in Ostberlin, lebt und arbeitet in Berlin) und Nicolás Rupcich den Ausstellungsraum konstant als Standbild auf. Zugleich nehmen Bildsensoren einer Kamera die Gesichter der Besucher_innen auf, die sich in ihm bewegen. Anders aber als etwa in einer Software, die Gesichter erkennt und zuordnet, werden sie hier in schwarze Quadrate verwandelt, die objekthaft erscheinen.

Auch Julian Röder (geb. 1981 in Erfurt, lebt und arbeitet in Berlin) bearbeitet politische Fragen, wenngleich er sich in seiner Werkserie "Licht und Angst" gerade nicht auf neuere technische Entwicklungen bezieht, sondern die historische sog. "Gedankenfotografie" aufgreift, die im 19. Jahrhundert aufkam. Mit ihr glaubte man ein Instrument zur Sichtbarmachung geistigen Gedankenguts gefunden zu haben. Mithilfe eines selbstgebauten Radiografen zeichnet Röder Bilder auf, die vorgeben aus seinem Kopf zu kommen – und seine Gedanken während der Lektüre von präfaschistoiden und antisemitischen Büchern visualisieren.

Dass "nichts mehr sicher ist" und der sozial-ökonomische Status des Einzelnen fragil und in Bewegung geraten ist, davon erzählt die Arbeit "Anomalien des frühen 21. Jahrhunderts" von Sven Johne (geb. 1976 auf Rügen, lebt und arbeitet in Berlin). Mit seinen reportageartigen Berichten, die der Künstler mit im Netz gefundenen Porträts kombiniert, gibt er Einblicke in die (erzwungene) Isolation von gesellschaftlichen Absteigern, Umsteigern und Aussteigern, aber auch in die (hemmungslosen) Lebensentwürfe ihrer Aufsteiger. Johnes Auseinandersetzung mit dem faktischen Auseinanderdriften der Gesellschaft wird ebenfalls anschaulich in seinen neuen Filmarbeiten "Dear Vladimir Putin" und "I am the Power (Dresden)".

Die Fotokünstler hinterfragen mit ihren Arbeiten die vorherrschenden neuen sozialen und ästhetischen Konventionen der digitalen Gegenwart. Insofern haben ihre Arbeite sehr viel mit uns Betrachtern oder besser: mit uns "usern" zu tun.

Die Ausstellung wird ermöglicht durch die Unterstützung des „Art’Us Collector’s Collective“, eines Zusammenschlusses passionierter Privatsammler zeitgenössischer Kunst, die ihre Sammlungen einem breiten Publikum zugänglich machen möchten. Weitere Leihgaben kommen aus der Miettinen Collection (Helsinki/Berlin) und der Sammlung Hildebrand/Sammlung Philara (Leipzig/Düsseldorf).

Bei der Eröffnung am Sonntag, 3. Februar 2019, 11 Uhr, begrüßt Bürgermeisterin Sabine Anemüller die Gäste. Eine Einführung in die Ausstellung gibt die Kuratorin Maren Lübbke-Tidow.

Am jeweils ersten Dienstag im Monat, 5. Februar und 5. März, bietet um 13.00 Uhr der "Kunst-Imbiss" in der Mittagspause die Gelegenheit einer Kurzführung durch die Ausstellung.

Öffnungszeiten:
Di - Sa 15-18 Uhr, So und Fei 11-18 Uhr
und nach Vereinbarung

Eintritt frei

Rathauspark 1, 41747 Viersen
Tel. 02162/101160
galerie@viersen.de
www.kunstgenerator.de

Datum 03.02.2019 bis 24.03.2019
Uhrzeit 11:00 Uhr
Veranstaltungsort Städtische Galerie im Park
Tel.:02162/101160
E-Mail: galerie@viersen.de
Rathauspark 1
41747 Viersen
Typ Ausstellung, Kulturveranstaltungen
Zielgruppe Alle
Veranstalter Städtische Galerie im Park
Tel.:02162/101160
E-Mail: galerie@viersen.de
Rathauspark 1
41747 Viersen

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