'Meter, Maire und Code Civil. Französische Herrschaft am Rhein“

Ausstellung des Vereins für Heimatpflege Viersen (15.9.-8.12.)

Donnerstag bis Samstag 15 bis 18 Uhr, an Sonn- und Feiertagen 11 bis 18 Uhr

Der Verein für Heimatpflege Viersen widmet sich in seiner Ausstellung "Meter, Maire und Code Civil. Französische Herrschaft am Rhein" einem Kapitel Zeitgeschichte, dessen Spuren noch heute am Niederrhein zu finden sind. Zu den wenigen noch vorhandenen baulichen Zeugnissen dieser "Franzosenzeit" gehören die Reste des Nordkanals - "Grand Canal du Nord", der den Rhein mit der Maas und Antwerpen verbinden und den Handel von den holländischen Häfen abziehen sollte. Nach mehrjährigen Voruntersuchungen zur günstigsten Trassierung ordnete Napoleon den Bau nach seinem Besuch am Niederrhein 1804 an, vier Jahre später begannen die Arbeiten. Doch nachdem die Niederlande 1810 Bestandteil Frankreichs geworden waren, entfiel ein wesentlicher Grund für den Bau des Kanals: Er wurde schon 1811 eingestellt. Fertig wurden unter anderem mehrere Kanalwärterhäuser. Eines davon liegt, von den meisten unbeachtet, an der Krefelder Straße in Viersen – "einziger Rest und einzige sichtbare Erinnerungsmarke an ein großes Projekt mit ehrgeiziger Zielsetzung", wie Stadtarchivar Marcus Evers in seiner Publikation "Die Franzosen in Viersen" schreibt. Auch die Straßenbezeichnungen "Kanalstraße" und "Am alten Nordkanal" nehmen Bezug auf diese Zeit.

Mit der Eroberung der linksrheinischen Gebiete durch französische Revolutionstruppen 1794 begann die zwanzig Jahre dauernde Herrschaft der Franzosen am Niederrhein. Von 1801 an gehörten die linksrheinischen Gebiete zum französischen Staat. Die Menschen in der Region lebten plötzlich nicht mehr im Kurfürstentum Köln oder im Herzogtum Jülich bzw. Geldern, sondern waren Bürger der Französischen Republik im Département de la Roer. Sie hatten keinen Bürgermeister mehr, sondern einen "Maire", erlebten die Einführung einer neuen Währung, einer neuen Amtssprache, eines neuen Verwaltungssystems. Die Ständeordnung wurde zur bürgerlichen Zivilgesellschaft, Adel und Klerus verloren ihre Privilegien und ein neues Gesetzbuch, der Code Civil, garantierte allen Bürgern die Gleichheit vor dem Gesetz. Das metrische System mit Meter und Kilogramm ersetzte die alten Maße wie Elle, Fuß, Malter oder Scheffel.

Die von Dr. Britta Spies kuratierte Ausstellung in der Villa Marx nimmt vor allem die konkreten Auswirkungen der Franzosenzeit auf das Alltagsleben der Menschen in den Blick. Und sie zeigt auf, wie viele Dinge auch nach dem Abzug der Franzosen 1814 weiterhin selbstverständlicher Teil des Lebens geblieben sind. Lesungen runden das Programm: Reinhard Kaiser stellt am 3. November sein neues Buch "Rétif de la Bretonne: Pariser Nächte" vor. Rita Mielke liest am 6. Oktober aus Briefen und Berichten von Constance de Salm und Germaine de Staël, die in ihrer Zeit das Deutschlandbild der Franzosen nachhaltig prägten.

Donnerstag bis Samstag 15 bis 18 Uhr, an Sonn- und Feiertagen 11 bis 18 Uhr. Eintritt frei, die Ausstellung ist barrierefrei zu erreichen.

Nähere Informationen im Internet unter www.viersener-salon.de

Datum 15.09.2019 bis 08.12.2019
Uhrzeit 11:00 Uhr
Veranstaltungsort Villa Marx
Gerberstr. 20
41748 Viersen
Typ Ausstellung, Information & Bildung, Kulturveranstaltung
Zielgruppe Alle
Veranstalter Verein für Heimatpflege e.V. Viersen
Tel.:02162/7430
Gerberstr. 20 A
41748 Viersen
in Zusammenarbeit mit der Stadt Viersen

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