Bürgermeister-Voß-Allee



entnommen:
Ewers, Marcus, Die Dülkener Bürgermeister von 1800 - 1969,

Teil 1: von der Franzosenzeit bis zum Ende der Weimarer Republik, HBV 2006, S. 18ff

Wachters Nachfolger wurde Kaspar Voß (1855-1919).

Am 12. März 1855 in Ahlen als Sproß eines alten westfälischen Bauerngeschlechts geboren, besuchte er das Gymnasium in Meppen und absolvierte anschließend bei mehreren Stadtverwaltungen seine Ausbildung im Verwaltungswesen. Im Jahre 1879 ging er als „Zivil-Supernumerar" (so wurden die Anwärter für den gehobenen Verwaltungsdienst genannt) zur Regierung nach Düsseldorf. Am 1. Oktober 1885 übernahm Voß in der Gemeinde Schiefbahn schließlich sein erstes Bürgermeisteramt. Dort sicherte er mit der Bereitstellung kostengünstiger gemeindlicher Grundstücke im Jahre 1888 die Ansiedlung der in Krefeld beheimateten Firma Deuß & Oetker, womit ihm ein entscheidender Schritt zur Aufwärtsentwicklung dieser Gemeinde gelang .49 Obgleich der Beigeordnete Ditges betonte, wie viel seine Gemeinde an Herrn Voß verlöre und wie ungern man ihn scheiden sehe 50 bewarb sich Voß im darauffolgenden Jahr um den bedeutenderen Posten des Bürgermeisters von Dülken.

Nach der Genehmigung der Wahl des Stadtverordnetenkollegiums durch die Regierung am 2. Dezember 1889 stand der feierlichen Amtseinführung am 10. Februar 1890 nichts mehr im Wege51- Die Feier wurde eingeleitet durch ein von der Kapelle des 39. Infanterie-Regiments auf dem Marktplatze veranstaltetes Concert, welchem ein zahlreiches Publikum beiwohnte. [...} Später fand ein Festessen statt, welches eine hier noch nie dagewesene Betheiligung aufzuweisen hatte 52 .

Im Hinblick auf seine 29jährige Amtstätigkeit werden insbesondere seine Verdienste um die öffentliche Wohlfahrt, die Errichtung des Wasserwerks, den Bau der Badeanstalt (1902), das Anlegen neuer Straßen (z.B. Lindenallee 1904, Friedhofsallee 1913, Sternstraße 1914) und vor allem das Heranziehen neuer Industrien (insbesondere in Folge der Strukturkrise 1890-1895) hervorgehoben 53.
Als weitere bemerkenswerte Ereignisse seiner bewegten Amtszeit dürfen auch der Neubau des Dülkener Rathauses (1895/96), der Bau und die Erweiterung zahlreicher Schulen, die Anlegung des Neumarktes (1909), die Elektrifizierung der Stadt (ab 1912),die Anlage des Stadtgartens (1912/ 13) und die Betriebsaufnahme der Straßenbahn Mönchengladbach-Viersen-Dülken (1905) gelten.
Auch die Gründung des Verschönerungsvereins sowie des Gemeinnützigen Bauvereins, der angesichts der seit 1898 herrschenden Wohnungsknappheit ins Leben gerufen wurde, stehen für die umtriebige Schaffenskraft des Bürgermeisters.
Nicht alle diese Maßnahmen stießen auf ungeteilte Zustimmung. So mußte Voß seinen Plan zur Kanalisierung der Stadt vor verschiedenen gerichtlichen Instanzen gegen eine starke Opposition durchsetzen, die den Bau für nicht notwendig hielt (1905-07)54.
In Anerkennung seiner Verdienste verlieh ihm Kaiser Wilhelm II. den roten Adlerorden IV. Klasse.

Bürgermeister Voß starb überraschend am 23. Mai 1919 an den Folgen eines Schlaganfalls. In einem Nachruf wird er im „Sprecher am Niederrhein" mit den Worten charakterisiert: Eine reich veranlagte, impulsive Natur, die auch den Kampf nicht scheute, ist mit ihm dahingegangen 55. Er hinterließ seine Frau Franziska geb. Eishorst, mit der er 47 Jahre verheiratet gewesen war und fünf Kinder.


 

49 Paul Schrömbges, Kaiserreich und Erster Weltkrieg( 187 1-1914), in: Geschichte der Stadt Willich und ihrer Alt­Gemeinden, Willich 2003, S. 478 und 517
50 Viersener Zeitung, 13.2.1890
51 Viersener Wochenblatt, 7.12.1889
52 Viersener Zeitung, 13.2.1890
53 Süchtelner Zeitung, 24.5.1919: Viersener Zeitung, 30.5.1919: Sprecher am Niederrhein , 24.5.19 19
54 Josef Brocher, Kaspar Voss, ein guter Bürgermeister, in: Sechs Jahrhunderte Stadt Dülken, Dülken 1964, S. 72.
55 Sprecher am Niederrhein, 24.5.1919

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